Der Räuber Kneißl gibt sich die EhrE Nach mehreren, sehr erfolgreichen Ausflügen ins Boulevard-Genre geht die Ruhpoldinger Heimatbühne im 70. Jahr seit der Gründung, in der neuen Spielsaison zurück zu ihren Wurzeln.
Damit zeigt die Laienbühne ein weiters Mal ihre umfangreiche Bandbreite. Mit „Zuagricht, hergricht, higricht“ schrieb Iberlbühne-Gründer Georg Maier eine Bühnenfassung über das Leben des Matthias Kneißl, den wohl berühmtesten Räuber Bayerns. Die Iberlbühne revolutionierte in den 1980er Jahren nicht zuletzt auch mit einer ganz eigenen, nicht immer jugendfreien, altbayerischen Ausdrucksweise das herkömmliche Bauerntheater und befreite es vom damals gängigen „rotkarierten Jodlerstil“. Regisseur Hermann Hipf inszeniert eine Tragikomödie und beleuchtet einen kleinen Ausschnitt im kurzen Leben des „Schachermüller Hias“ (1875-1902). Hipf ist als fiktiver Boandlkramer mit auf der Bühne und wartet ungeduldig mit seiner schnippischen Nachwuchskraft (Franziska Hipf) auf das unausweichliche Ende des zum Volkshelden stilisierten Diebes, Wilderes und letztlich auch Mörders. Der wird von Simon Geierstanger dargestellt. Vordergründig will er der, bei den einfachen Leuten hoch angesehene, Draufgänger sein. Geierstanger gelingt es hervorragend, aber auch eine andere Seite zu zeigen, einen in die Enge getriebenen „Desperado“, der niemals eine realistische Chance bekam und für den die Kriminalität nur eine logische Konsequenz war. Ein Neuanfang in Amerika bleibt Wunschdenken und ein utopischer Traum. Mit dabei ist Michael Lindhuber, gewohnt routiniert und bühnenpräsent als Bader. Ihm zur Seite gestellt sind Carola Meisl als seine Ziehtochter und Fabi Amort als sein Gehilfe. Beide spielen erstmals größere Rollen und bringen mit großem Rollenverständnis frischen Wind in die Baderstube. Ein Sonderfall ist der herrlich irrwitzige Fritz Fischer als Vertreter der Obrigkeit. Mit seiner Arroganz und seinem Sprachtick und obendrein als Franke ist er dreifach gehandicapt. Den Dialekt zieht er, zur Freude des Publikums, professionell und gnadenlos durch. „Zuagricht, hergricht, higricht“ ist klassisches Volkstheater in der Tradition von Ludwig Thoma, Franz von Kobell oder Ludwig Ganghofer. Zudem hat die musikalische Untermalung dazu gut passende „neobairische“ Elemente. Heimatbühne-Stylistin Selma Götz sorgt in der Maske für authentisches Aussehen zum Ende des 19. Jahrhunderts. Souffleuse Sonja Hartl trägt mit sicherem Gespür dafür bei, dass auch in den rasanten Szenenabläufen jedes Wort sitzt. Die Heimatbühne bereitet seinem Publikum einen sehr unterhaltsamen, tiefgründigen Theaterabend. Es ist ein Spagat zwischen Dichtung und Wahrheit, zwischen romantischer Legende und knallharter Realität. Trotz aller Komik bleibt die Maxime „Ober sticht Unter“ unerbittlich bestehen. Dass es kein „Happy-end“ geben wird, ist ja von Anfang klar, der Schluss regt zum Nachdenken an. Am Freitag, den 21. Februar 1902 wurde Matthias Kneißl in Augsburg guillotiniert. Der ihm in den Mund gelegte Satz, als er am Montag hingerichtet werden sollte „Do geht d´Woch scho wieder guad o“ ist damit wohl auch nur Fiktion. Einige Restkarten für weitere Vorstellungen gibt es noch, nähere Infos unter www.ruhpoldinger-heimatbuehne.de! FXK Kommentare sind geschlossen.
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AuthorHermann Hipf Archives
Mai 2026
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